Archive for Februar, 2011

Es hakt

Februar 25th, 2011

Gerade habe ich bei Facebook einen Kommentar unter einem der vielen Postings zu Judith Holofernes’ “Bild”-Kritik gelesen. Die Werbeagentur Dingsvondings hatte sie gefragt, ob sie nicht, wie Sido, Genscher, Gysi und Gottschalk usw., für “Bild” werben wolle, vergütet mit einer Spende für den guten Zweck. Sie lehnte mit deutlichen Worten ab (”Ich glaub, es hackt” usw.). Jedenfalls, der Facebook-Kommentar geht ungefähr so:  Das grüne Milieu… sonst keine Eier, aber dann gegen “Bild” meckern, um sich die eigene Subversivität zu beweisen… Wie billig… Das ist also der Widerstand… bla bla bla.

Nachdem ich einen Tag lang überlegt habe, was ich davon zu halten habe, dass Holofernes zwar nicht bei Spendengalen, die sie nach eigener Aussage und auch glaubhaft meidet, aber eben doch durch einen Offenen Brief gegen “Bild” mit ihrer Haltung hausieren geht, bin ich jetzt sicher: Das passt schon. Schon deshalb, weil die einzige Alternative darin bestanden hätte, höflich abzusagen.

Und der Witz ist ja: Diese Typen, die fehlende Eier monieren, arbeiten am Ende ja doch immer alle und vor allem gerne bei Modezeitschriften, deren Chefredakteure das schwarze Model, das zunächst “Frau des Monats” sein sollte, am Ende der Produktion noch schnell gegen ein weißes austauschen. Weil, hey, irgendwie, können wir wegen der Mischung keine Schwarze dahinstellen und so, ha ha ha, Schulterklopfen, lass uns ma einen saufen gehen, ha ha ha, ja, geil, Chef, saufen, wohin? und so. Und dann nicken alle brav und featuren mit großen Geschichten und Coverfotos die Idioten, die auch bei jeder “Bild”-Kampagne dann gerne mitmachen (”fürn guten Zweck”). Da schlafen mir echt die Füße ein.

Gutmensch, der

Februar 12th, 2011

“In der Entwicklungspolitik brauchen wir Investitionen statt Gutmenschen.” Sagt Dirk Niebel. “Wer wirtschaftliche Interessen verfolgt, wird alles Nötige unternehmen, damit sein Engagement, sein Investment nicht verloren geht.”

Der Gutmensch ist mal wieder schuld. Nicht der IWF, nicht die Weltbank, nicht die Trottel, die irgendwann mal verfügt haben, dass Entwicklung bedeute, dass zunächst einmal europäische Bauern geschützt werden müssen, nein, der Gutmensch.

Zu ihm hat Christian Nürnberger im SZ-Magazin vor kurzem einiges gesag. Er erklärte den Gutmenschen am Beispiel des 93-jährigen Stéphane Hessel, der sich gerade in einem Manifest darüber empört, “dass die Schere zwischen Reich und Arm immer weiter aufgeht” usw., was Hessel im Grunde zu einem typischen Gutmenschen macht, wie auch Nürnberger schlussfolgert:

“Er war Mitglied des französischen Widerstands, wurde von der Gestapo gefoltert und überlebtedas KZ. Schon damals hat es das Wort Gutmensch gegeben. Es wurde wohl von den Nazis gegen die Anhänger des Grafen Galen verwendet, die gegen die Tötung körperlich und geistig Behinderter gekämpft haben. Man sollte also künftig die Bezeichnung Gutmensch als Ehrentitel und Adelsprädikat führen, denn eines ist gewiss: Wenn wir irgendwo auf der Suche nach Lösungen für das Überleben auf diesem Planeten fündig werden wollen, werden wir diese eher bei Klimaschützern, Vegetariern, Veganern, Biobauern, Friedensbewegten, Tierschützern, Grünen, Sozialdemokraten, Kirchen und Gewerkschaften finden als beim deutschen Ableger der Sarah-Palin-Fraktion.”