Archive for Juli, 2011

Butt-No

Juli 29th, 2011

Weil die Frage jetzt mehrfach kam, z.T. im Spam, z.T. auch nicht: Nein, es gibt hier keinen Facebook-Like-Button, sorry. Wenn das Blog ohne keiner findet, dann findet’s halt keiner.

Entwicklungshilfe für die FDP

Juli 19th, 2011

Steuersenkung und das Erreichen des 0,7-Prozent-Ziels, das passt halt einfach nicht zusammen. Kurz verlinkt:

“Die Entwicklungshilfegelder des Bundesministeriums sinken von derzeit 6,3 Milliarden auf 5,8 Milliarden Euro im Jahr 2015. Damit verabschiedet sich die Bundesregierung endgültig von dem 0,7-Prozent-Ziel. (…) Und Entwicklungsminister Niebel guckt zu. Der ehemalige FDP-Generalsekretär sieht anscheinend in der Anhebung des Entwicklungs-Budget eine Gefahr für die angekündigte Steuersenkung in Deutschland. Es ist ein Dilemma aus parteilicher und internationaler Loyalität.”

Ewige Problemlagen

Juli 19th, 2011

Frank Schirrmacher, dem Matthias Dell im “Altpapier” völlig zurecht ein “Gespür für upcoming Problemlagen” bescheinigt, hat in der FAZ eine “europäische, nicht privatwirtschaftliche Suchmaschine” gefordert, “die keiner politischen oder ökonomischen Kontrolle unterliegt”. Das ist erstmal gut. Er komme in diesem Text, schreibt Dell, “ohne den eschatologischen Furor aus(…), der das ‘Payback’-Buch noch begleitete.” Auch das ist doch schön.

An einigen Stellen seines Textes bin ich aber gestolpert. Immer wenn es ums Internet geht, muss man sich ja eigentlich fragen: Ist das jetzt wirklich neu, oder ist das Beschriebene so neu gar nicht und wird nun nur anders vertrieben? Konkret habe ich den Eindruck, dass zumindest eine These von Schirrmachers Text wenig wert ist, wenn man sich fragt: Beschreibt er hier wirklich ein Netzphänomen – oder deklariert er es nur so?

Er schreibt also über die Onlinerezeption einer Studie “über die Wirkung digitaler Speicher auf das menschliche Erinnerungsvermögen”: “die Mitteilungen der Forscher sind mittlerweile durch die Lektüremaschinen des Internets gegangen und haben eine Unzahl einander zum Teil krass widersprechender Deutungen provoziert”, und er nennt die Beispiele ‘Internet macht vergesslich’ (Spiegel online) und ‘Internet macht vielleicht doch nicht dumm’ (Zeit online).

Schirrmacher: “Das Netz, das wird immer deutlicher, folgt den Regeln des talmudischen Kommentars, nicht denen des wissenschaftlichen. Offenbar nehmen wir Quellen, auch nachrichtliche, zunehmend als Glaubensinhalte wahr, nicht mehr als Fakten.”

Das aber halte ich für eine jener Überinterpretationen des Gegenwartsexegeten, die sich rasch in nichts auflösen, wenn man sich fragt: War denn ersteres jemals anders? Und ist zweiteres nicht vielleicht sogar oft genug – angemessen?

Dass Studienergebnisse nicht im Sinn der Erfinder interpretiert und rezipiert werden, ist jedenfalls wohl kaum eine Folge der Digitalisierung; man findet nur die Interpretationen schneller, und es gibt womöglich – sicherlich – mehr davon. Manche Interpretation mag dann auch falsch sein, zugespitzt, unwissend, whatever. Aber eine Folge des Netzes ist die zum Teil nichtwissenschaftliche Behandlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht. Folgt nicht jede Form von nicht wissenschaftlicher Publizistik in der Regel “nicht den Regeln der Wissenschaft”?

Nehmen wir ein Beispiel aus der FAZ: Im Vorfeld der Fußball-WM in Südafrika berichteten deutsche Medien bisweilen über Kriminalität im Gastgeberland. Es gab auch hin und wieder mal eine Studie zur Entwicklung von Straftaten. Und so titelte etwa 2009 die Frankfurter Allgemeine Zeitung: “Mehr Gewaltverbrechen in WM-Städten.” Das war zum Beispiel nicht falsch. Die Zahl der Raubüberfälle auf Privathäuser und Geschäfte etwa in Johannesburg war gestiegen. Allerdings: Die zentrale Aussage war das nicht. Erstens war die Zahl der Morde gesunken. “Weniger Morde in WM-Städten” (die Zeile, die ich vermutlich gewählt hätte, weil mir diese populistische Kriminalitätsassoziation mit Südafrika einfach sehr gegen den Strich ging) wäre also ebenfalls richtig gewesen. Zweitens gab es “mehr Gewaltverbrechen” lediglich in einigen WM-Städten. Und drittens fanden die besagten Gewaltverbrechen vor allem in den Townships statt, also eigentlich in der Umgebung der WM-Städte.

Die FAZ-Zeile war also nicht grundlegend falsch, aber fasste auch nicht wirklich zusammen, was tatsächlich in den Studien stand. Ein Netzphänomen? Man nennt es auch Journalismus.

Update 12.39 Uhr: Eine andere Position als Nicholas Carr, den, vermutlich aus Treue zu den Fakten, die mit Glauben nichts zu tun haben, Frank Schirrmacher zitiert, findet sich bei wired: “By sharing and comparing our memories, we can ensure that we still have some facts in common, that we all haven’t disappeared down the private rabbit hole of our own reconsolidations. In this sense, instinctually wanting to Google information – to not entrust trivia to the fallible brain – is a perfectly healthy impulse. (I’ve used Google to correct my errant memories thousands of times.) I don’t think it’s a sign that technology is rotting our cortex – I think it shows that we’re wise enough to outsource a skill we’re not very good at.”

Carr: “Wenn wir unser persönliches Gedächtnis formen, formen wir auch Assoziationen zwischen einzelnen Erinnerungen, die nur wir haben und die unentbehrlich sind für die Entwicklung eines tiefen, konzeptionellen Wissens.”